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Man liest und hört immer wieder, wie das Ego überwunden werden kann. Die Überwindung des Egos und der Ziellosigkeit kann zu innerem Frieden, Stille und Freiheit führen.
Preisfrage: Was ist das Ego im Unterschied zum Ich?
In erster Linie ist das eine Definitionsfrage. Lassen wir uns darauf ein, das Ego und das Ich gegenüberzustellen, dann würde ich das gerne nur im Rahmen dieses Artikels tun und beschreiben wollen. Eine generelle Trennung würde ich sonst nicht vornehmen.
Also nehmen wir an, es gäbe zwei dieser Zustände, dann wäre das Ego das Selbst, welches sich gerade darbietet, und das Ich ist das Selbst, wohin es uns treibt, wohin die Reise des Lebens gehen sollte.
Ziemlich schnell findet sich die Metapher des Larvenstadiums der Raupe, die sich in einen Schmetterling verwandelt.
Und der Schmetterling stellt die Rückkehr zum eigentlichen Selbst dar. Diese Transformation, bei der die Identifikation mit dem Ego aufgelöst und eine klare Lebensausrichtung gefunden wird.
Was sind die zentralen Mechanismen, wie dieser Wandel zu innerem Frieden führt?
1. Die Überwindung des Egos durch Distanz und Bewusstsein
Der innere Frieden und Entwicklungsprozesse werden fundamental dadurch behindert, dass wir uns mit unserem Ego und dem dazugehörigen Verstand, der ums Überleben kämpft, identifizieren.
Im ersten Schritt wird das Ego definiert und Distanz geschaffen: Das Ego umfasst alle Identifikationen (wie Beruf, Nationalität, Besitz, Status, Amt etc.), die lediglich eine Maske (Persona) sind. Das Drama entsteht, weil Erwachsene ihre Spiele schon so lange spielten, bis sie glauben, diese Maske bzw. diese Person zu sein.
Typische Ausprägungen des Egos sind:
Der Perfektionist: „Nur wenn alles perfekt ist, bist du ok.“
Der Antreiber: „Schneller, härter, mehr leisten.“
Der Beschützer: „Trau dich nicht, das könnte dich verletzen.“
Der Beschämte: „Das war peinlich, du bist unzulänglich.“
Im nächsten Schritt erfolgt die Ablösung vom Verstand – werde zum Beobachter deiner Gedanken. Um Frieden zu finden, muss man erkennen: Du hast einen Verstand, aber du bist nicht dein Verstand. Der Verstand ist ein Werkzeug, welches Gedanken erzeugt.
Das heißt: Benutze deinen Verstand, aber identifiziere dich nicht mit ihm. Dein Verstand versucht, dein Überleben zu sichern, und kennt nur die Vergangenheit. Wie immer diese auch war. Die Gegenwart, das Jetzt, ist alles, was es gibt.
Der nächste Weg zum Frieden ist die Selbstverwirklichung – das heißt, die Dominanz des Egos muss zurücktreten, damit das Selbst überhaupt sich entwickeln kann. Das Ego ist in dieser Analogie die Raupe, die sterben muss, bevor der Schmetterling (das Selbst) werden kann.
Dann geh, so oft du kannst, in die Stille: Alle großen Dinge, jede Schöpfung und tiefer Frieden entstehen nur in der Stille. Monotone Tätigkeiten (wie Meditation, Wandern oder Stricken) führen dazu, dass der Verstand zur Ruhe kommt, weil sie die Stimmen im Kopf zum Schweigen bringen und dadurch Distanz geschaffen wird. In der Stille gelangt man zu sich.
Entwickle Selbstmitgefühl: Jeder Prozess braucht Zeit und der Weg kann noch so steinig sein, aber sei freundlich zu dir.
2. Überwindung der Ziellosigkeit durch den inneren Kompass
Versuchen Sie, Ihre Orientierungslosigkeit und das ständige Streben nach äußeren Zielen zu überwinden. Das führt sonst zu innerer Rastlosigkeit, einer Getriebenheit und fehlendem Frieden.
Ziele versus Orientierung: Viele Menschen haben zwar Ziele im Leben, sind aber nicht in der Lage, das übergeordnete „Warum“ zu benennen. Der Mangel an einem klaren „Warum“ führt dazu, dass sie fast jedes „Wie“ als beschwerlich empfinden. Daraus folgt Orientierungslosigkeit, obwohl Sie Ziele haben.
Orientierung weist den Weg: Dieser innere Kompass gibt dem Leben Richtung, es ist der Magnet am Horizont, auf den alle Entscheidungen und Energien ausgerichtet sind. Automatisch wird alles etwas leichter. Sie gewinnen Klarheit und Leichtigkeit und vermeiden dadurch unnötige Phasen der Gewohnheit oder des Überdrusses. Kurzum, Sie vermeiden das viel beschworene Ausbrennen (Burnout).
Auf dem Weg sind Ziele nur sinnvoll, wenn sie immer neuen Erfahrungen dienen. Die Betonung liegt auf dem Wort „neu“. Durch die Ausrichtung auf den inneren Kompass wird das Leben abenteuerlich und sinnstiftend, weil alles Überflüssige weggelassen wird.
3. Der Zustand des inneren Friedens
Innerer Frieden ist nicht das Resultat von Kampf oder Anstrengung, sondern von Akzeptanz und Gelassenheit. Sie können nicht alles beeinflussen, aber Sie können bestimmen, wie Sie sich den Dingen gegenüberstellen, und Sie können lernen, den Widerstand aufzugeben. Damit ist nicht gemeint, Ungerechtigkeit und Leid hinzunehmen. Es geht vielmehr darum, wie Sie durch den Widerstand gegen Situationen und Gefühle an diesen haften bleiben.
Das macht Sie letztlich müde und krank.
Fürchten Sie sich nicht vor dem Leid: Innerer Frieden bedeutet nicht, Leid zu vermeiden. Die Angst vor Leid ist ein Kennzeichen eines Lebens auf der Standspur. Die Vollkaskoversicherung für das Leben gibt es nicht.
4. Vom Ego zum Ich und zum Du
Sollten Sie es geschafft haben, bis hierher gelesen zu haben, dann kommt jetzt der entscheidende Punkt.
So ehrenvoll und wünschenswert die Überwindung des Egos ist. Wenn Ihnen das aufgefallen ist: Fast alle Tipps und Schritte verweisen auf inneres Wachstum. Das besagte Ziel ist die Entwicklung eines Ichs. Das Ziel ist also die Metamorphose der Raupe zum Schmetterling.
Soweit, so gut.
Aber wer sind Sie ohne die Anderen? So löblich die Entwicklung einer reifen, erwachsenen Persönlichkeit ist, das, was Sie für sich und Ihre Entwicklung getan haben oder in Zukunft machen werden, das geht nur mit den anderen gemeinsam.
Es geht also im Leben nicht nur darum, wie sie es schaffen, über sich selbst, also ihr Ego, hinauszuwachsen. Es geht nicht nur darum, wie sie mit sich selbst umgehen, sondern genauso wichtig ist es: Wie gehe ich mit meinen Mitmenschen um?
Und das ist tatsächlich noch einmal eine ganz andere Frage. Wie stellen und verhalten Sie sich zu den anderen?
Solche und ähnliche Fragen können Sie mit mir klären. Wir schauen gemeinsam, ob professionelle Hilfe und Begleitung nötig sind. Wenn Sie zu lähmender Vermeidung, Depression, starken Selbstzweifeln oder chronischer Erschöpfung neigen, lohnt sich therapeutische Arbeit.
Methoden wie Schematherapie, Compassion-Focused Therapy (Mitgefühlsorientierte Therapien) oder Ego-State-orientierte Ansätze sind hier besonders wirksam.
Wenn Sie Ihr Ego etwas kleiner machen und Ihr Ich stärken möchten, biete ich ein unverbindliches Erstgespräch an. Gemeinsam klären wir, welche Anteile in Ihnen dominieren und welche Strategien Ihnen persönlich am meisten Stabilität und Freiheit bringen.