Lesedauer beträgt etwa: 13 Minuten
„Die innere Alarmglocke“, eine Fallstudie
Einleitung: Dies ist eine beispielhafte Schilderung der therapeutischen Arbeitsweise aus hypno-systemischer Sicht am Fall von Christiane (Name ist fei erfunden).
Die vier Schritte der hypno-systhemischen Arbeit von Dr. Gunther Schmidt :
Christiane leidet mindestens seit 6 Monaten unter diffusen und regelmäßigen Angstzuständen und Panikattacken, besonders in Meetings, aber auch nachts. Sie beschreibt es als „Kontrollverlust“ und „Herzrasen aus dem Nichts“.
Sie hat Angst und erliegt den Symptomen.
Fühlt sich ohnmächtig.
Dabei steht sie mitten im Leben – verheiratet und zwei erwahsene Kinder.
Als Marketingleiterin steht sie ihre „Frau“.
Sie kann es nicht verstehen.
Meeting meidet sie wenn möglich, “ Mir geht es gerade nicht gut, habe etwas Falsches gegessen.“
„Wie lange kann das noch gut gehen?“ Fragt sie sich.
Sie sucht Lösungen. Beruhigungsmitteln helfen ein wenig.
„Ich muss mich nur zusammenreißen.“ Das ist ihr Mantra geworden.
Auf dem Weg nach Hause. Sie läuft einen anderen Weg.
Möchte nicht gesehen werden.
Sieht ein Schild: „Neue Praxis eröffnet, Termine frei.“
Plötzlich steht sie in der Praxis.
Schritt 1: Pacing und De-Pathologisierung (Vom Defizit zur Kompetenz)
Christiane kommt in die Praxis, wirkt gehetzt, atmet flach.
Klientin: „Ich will, dass diese Angst endlich aufhört. Ich funktioniere nicht mehr richtig. Ich bin völlig hysterisch, das bin nicht ich!“ (Klassischer „Exorzismus-Auftrag“: Machen Sie das Weg! Die Angst wird dämonisiert, man ist von der Angst besessen.)
Die Hypno-systemische Intervention: Der Therapeut steigt nicht in die Erzählung ein: „Angst ist schlecht“. Das Symptom wird genutzt – die sogenannte Utilisation.
- Therapeut: „Sie sagen, Ihr Körper reagiert mit Herzrasen und Panik. Wenn wir das mal nicht als psychische „Krankheit“ sehen, sondern als eine intelligente Leistung Ihres Organismus: Wofür setzt sich dieser Teil in Ihnen so vehement ein? Was will er beschützen, dass er so laut Alarm schlagen muss?“
- Erklärung der hypnosystemischen Sichtweise:
- Das Symptom wird nicht als Feind, sondern als „Wächter“ oder „Loyalitäts-Leistung“ umgedeutet (Reframing).
- Wir suchen den positiven Kern der Absicht. Angst ist biologisch gesehen Energiebereitstellung für Kampf oder Flucht. Die Frage lautet nicht WARUM sondern WOFÜR.
Ergebnis: Christiane stutzt. Darüber muss ich nachdenken. Sagt sie. „Vielleicht will er verhindern, dass ich Fehler mache. Dass ich die Kontrolle verliere und mich blamiere.“
Schritt 2: Musterunterbrechung der Problem-Trance
Während Christiane über ihre letzte Panikattacke spricht, verändert sich ihre Physiologie, ihr Körper simuliert: Der Blick starrt ins Leere (Tunnelblick), die Schultern ziehen hoch, die Stimme verliert Tiefe. Zeit und Raum gehen verloren. Sie induziert sich gerade live und in Farbe ihre eigene Angst-Hypnose (Problem-Trance).
Die hypno-systemische Intervention:
- Therapeut (unterbricht freundlich aber bestimmt): „Christiane, darf ich Sie kurz unterbrechen? Was passiert gerade? Spüren Sie mal: Wie atmen Sie gerade? Wo schauen Sie hin?“
- Christiane: „Ich atme kaum. Ich starre auf die Tischkante.“
- Therapeut: „Genau. Das ist Ihre „Kompetenz“, Angst herzustellen. Allein die Erinnerung an ihre letzte Attacke erzeugt Angst. Sie machen das völlig unwillkürlich. Bitte stehen Sie kurz auf, schütteln Sie die Arme aus und atmen Sie mehrmals tief in den Bauch. und sehen aus dem Fenster“ (Musterunterbrechung ).
Erklärung der hypno-systemischen Sichtweise:
Der Klientin wird bewusst gemacht, dass Angst kein „Überfall“ von außen ist, sondern ein Zustand, den man (unwillkürlich) durch Körperhaltung und Einengung herstellt. Wenn man weiß, wie man es macht, kann man es auch wieder sein lassen.
Schritt 3: Externalisierung und Teile-Arbeit (Das innere Parlament)
Wir arbeiten nun mit der inneren Ambivalenz. Ein Teil von Christiane will endlich wieder Ruhe haben, der andere Teil macht aber Panik. Diese Widersprüchlichkeit von gleichzeitig auftretenden Gefühlen und Gedanken ist auf Dauer für niemanden tolerierbar.
Die hypno-systemische Intervention:
Der Therapeut bittet Christiane, dem angstvollen Teil einen Namen und einen Platz im Raum zu geben (z.B. ein leerer Stuhl).
- Christiane: „Das ist die ‚Hysterische Ziege‘.“
- Therapeut: „Okay, das klingt sehr abwertend. Wenn wir davon ausgehen, dass dieser Teil eigentlich für Ihre Sicherheit sorgen will – wie könnten wir ihn wertschätzender, positiver benennen?“
- Sabine: „Vielleicht… die ‚Sicherheits-Chefin‘?“
- Therapeut: „Ja, das klingt besser. Eine Sicherheits-Chefin. Die meint es gut, übertreibt aber manchmal und sieht schnell Rot bei kleinsten Anlässen.
Nun wird ein Dialog moderiert.
- Der Therapeut spricht die „Sicherheits-Chefin“ (auf dem leeren Stuhl) an und würdigt ihren Einsatz: „Danke, dass Sie Christiane vor Fehlern und Gefahren bewahren wollen. Sie machen einen wichtigen Job.“
- Dann fragt er Christiane: „Wie alt fühlt sich dieser Teil an?“ (Oft sind Angst-Teile jünger, Regression).
- Lösung: Es wird eine Koalition zwischen den Ich-Anteilen gebildet. Christiane (als erwachsendes Ich) übernimmt die Führung zurück, entlässt die Sicherheits-Chefin aber nicht, sondern gibt ihr einen neuen Auftrag. Das kann immer neu verhandelt werden.
Der neue Auftrag: „Danke, das du mich immer warnst, aber bitte leg mich nicht lahm, sondern schick mir eine kleine Erinnerung, dass du immernoch da bist und auf mich aufpasst (ein leises Kribbeln im Bauch, eine leise Stimme im Kopf.)“ -> Dies nennt man Symptomverschreibung in geringer Dosis.
Schritt 4: Lösungs-Trance und Embodiment (Verankerung)
Nun wird der Zielzustand neurobiologisch aktiviert und verankert. Welches Erleben ist wünschenswert für Christiane?
Die hypno-systemische Intervention:
- Therapeut: „Erinnern Sie sich an eine Situation in Ihrem Leben, in der Sie sich absolut souverän, kompetent und sicher gefühlt haben. Wo war das?“
- Christiane: „Vielleicht beim Bergsteigen letztes Jahr. Ich stand auf dem Berg, Wind und Sonne im Gesicht. Ich fühlte mich frei und stolz.“
- Therapeut: „Gehen Sie da bitte ganz hinein. Sehen Sie, was Sie damals sahen. Hören Sie den Wind und spüren sie die Sonne im Gesicht. Und vor allem: Nehmen Sie genau die Körperhaltung ein, die Sie auf dem Berg hatten und atmen tief.“
Christiane richtet sich auf, atmet tief und lächelt leicht (Lösungs-Trance).
- Verankerung: „Wo im Körper spüren Sie diese Freiheit am deutlichsten?“ (Sollte sie sagen: ‚In der Brustmitte‘), bittet der Therapeut sie, eine Hand dorthin zu legen (Somatischer Marker). Für viele ist die Brustmitte ein guter Anker.
Der Transfer in den Alltag:
- Therapeut: „Wenn Sie nächste Woche im Meeting sitzen und die Sicherheits-Chefin anfängt nervös zu werden: Legen Sie unauffällig die Hand auf die Brust, rufen Sie das innere Bild vom Bergsteigen ab und sagen Sie innerlich zu der Sicherheits-Chefin: Ich fühle mich sicher und Danke für deine kleine Erinnerung, aber wir sind auf Kurs.“
- Tipp: Diese Verankerung auf neurobiologischer Ebene ist wichtig und muss eingeübt werden. Zuerst üben sie die Lösungstrance in absoluter Ruhe, dann in Situationen, von denen sie sich leicht belastet fühlen. Erst zum Schluss im Meeting oder vergleichbaren Situationen (bitte passen sie die Situationen entsprechend an Ihre Schwerpunkte an).

Den nächsten Schritt, die nächste Entscheidung kann Ihnen niemand abnehmen aber ich kann es Ihnen leichter machen! Nehmen Sie Kontakt mit mir auf!
Zusammenfassung der geschilderten Wirkfaktoren im Fall von Christiane
- Beziehungsgestaltung: Keine Pathologisierung, sondern Würdigung der Angst als (fehlgeleitete) Kompetenz. Das was „krank“ erscheint, hat eine wichtige Funktion.
- Dissoziation: Durch die Benennung als „Sicherheits-Chefin“ ist Christiane nicht mehr identifiziert mit der Angst („Ich bin ängstlich“), sondern hat eine Beziehung zu ihr („Ich habe einen ängstlichen Anteil“). Das schafft wieder Handlungsspielraum.
- Unwillkürlichkeits-Steuerung: Durch die Arbeit mit Körperhaltung (Embodiment) und inneren Bildern (Bersteigen etc.) wird das limbische System direkt angesprochen – dort, wo die Angst entsteht und wo Sprache allein oft nicht hinkommt.
- Realitäten-Kellnern (Schöpfung von Dr. Gunther Schmidt): Der Therapeut serviert verschiedene Realitäts-Konstruktionen („Sie sind krank“ vs. „Sie haben ein starkes Warnsystem“) und Christiane wählt diejenige, die hilfreicher ist.
Der hypno-systemische Ansatz, maßgeblich entwickelt von Dr. Gunther Schmidt (Gründer des Milton-Erickson-Instituts in Heidelberg), ist eine brillante Synthese aus zwei ursprünglich getrennten, aber hochwirksamen Therapieschulen: der Systemischen Therapie (Heidelberger Schule) und der Hypnotherapie nach Milton Erickson.
Durch die Integration der systemischen Therapie, die den Kontext und die Beziehungen des Individuums betrachtet, mit der Hypnotherapie, die sich auf unwillkürliche Prozesse konzentriert, entsteht ein ganzheitlicher Ansatz.
Diese Fusion erlaubt es, Symptome nicht nur als individuelle Defizite zu sehen, sondern als kontextbezogene Lösungen, die in einem größeren System verankert sind. Der Klient wird befähigt, seine eigenen Ressourcen zu aktivieren und neue Handlungsspielräume zu entdecken.
In der Praxis bedeutet dies, dass Klienten lernen, ihre inneren Anteile zu erkennen und zu würdigen, wodurch sie eine neue Beziehung zu ihren Ängsten und Herausforderungen aufbauen können. Diese innovative Herangehensweise fördert nicht nur das Verständnis für die eigenen Emotionen, sondern auch die Fähigkeit, diese aktiv zu steuern und zu transformieren.
1. Die theoretische Fusion: Konstruktivismus trifft Unwillkürlichkeits-Prozesse
Der Kern des hypno-systemischen Ansatzes ist die Erkenntnis, dass jeder Mensch sein Erleben selbst erzeugt (siehe Konstruktivismus), dies jedoch oft unwillkürlich („Es“ geschieht – Trance-Phänomene).
- Systemischer Anteil: Betrachtet den Kontext, die Beziehungen und die Wechselwirkungen. Ein Symptom ist demnach kein „Fehler“ im Individuum, sondern eine kontextbezogene Lösung („Wenn die Lösung das Problem ist“ Paul Watzlawick) oder eine Loyalitätsleistung in einem System (in Abhängigkeit zu Familie, Team, Organisation).
- Hypnotherapeutischer Anteil: Fokussiert auf die unwillkürlichen Prozesse. Wenn ein Klient sagt: „Ich will entspannt sein (Willkür), aber mein Herz rast (Unwillkür)“, liegt eine Dissoziation vor. Die Hypnotherapie liefert die Werkzeuge, um diese unwillkürlichen Prozesse (das Unbewusste) direkt anzusprechen und zu nutzen.
Die Synthese beider Ansätze: Psychische Probleme werden als „Problem-Trancen“ verstanden. Der Klient hypnotisiert sich (unbewusst) selbst in einen negativen Zustand durch fokussierte Aufmerksamkeit auf Defizite, also kann es sich auch bewusst hypnotisieren mit Fokus gewünschte Zustände „Lösungs-Trance“.
2. Kernkonzepte in der Tiefe
A. Die Problem-Trance vs. Lösungs-Trance
Dies ist eines der wichtigsten Konzepte Schmidts.
- Problem-Trance: Ein Klient mit Depression oder Angst befindet sich in einem hochfokussierten Zustand (Trance). Seine Wahrnehmung ist eingeengt auf das Negative (Tunnelblick), der Körper nimmt eine entsprechende Haltung ein, und Dissoziation von Ressourcen findet statt. Es ist eine kompetente Leistung, diesen difunktionalen aber stabilen Zustand aufrechtzuerhalten.
- Therapeutisches Ziel: Wir versuchen nicht, das Problem „wegzumachen“, sondern die Aufmerksamkeitsfokussierung zu verändern (Re-Fokussierung). Durch Pacing (Spiegeln) und Leading wird der Klient aus der Problem-Trance in eine Lösungs-Trance begleitet, in der Ressourcen wieder neurobiologisch zugänglich sind und Veränderungen möglich werden.
B. Utilisation (Das Prinzip der Nutzung)
Nach Milton Erickson wird alles, was der Klient mitbringt, genutzt – auch, oder gerade der Widerstand.
- Im hypno-systemischen Modell wird das Symptom gewürdigt. Es wird gefragt: „Wofür ist dieses Symptom möglicherweise eine gute Lösung?“
- Beispiel von Dr. Gunther Schmidt: Ein Klient leidet unter Prokrastination. Hypno-systemisch könnte man dies als „hochwirksamen Schutz vor Überforderung“ oder als „unbewusste Kompetenz zur Wahrung von Autonomie gegenüber fremden Anforderungen“ deuten (Reframing).
C. Das innere Parlament (Teile-Arbeit)
Hier wird das systemische Denken (Interaktion von Persönlichkeiten) in das Individuum verlagert (Intrapsychische Systematisierung).
Der Mensch wird nicht monolithisch gesehen, sondern als eine „Vielheit“.
- Es gibt den „Antreiber“, den „Genießer“, den „Kritiker“, den „Angsthasen“ usw.
- Probleme entstehen, wenn ein innerer Teil (z.B. der Kritiker) eine totalitäre Herrschaft übernimmt und andere Teile mundtot macht. Die Analogie zur parlamentarischen Demokratie ist wichtig und gleichzeitig hochpolitisch.
- Intervention: Der Therapeut moderiert eine „Konferenz“ der inneren Anteile, um eine Koalition zu bilden, statt in Konfrontation und Spaltung zu gehen. Ambivalenz wird hier nicht als Schwäche, sondern als Kompetenz für Mehrdeutigkeit gesehen (Teile, die für A sind, und Teile, die für B sind, haben beide ihre Berechtigung).
D. Somatische Marker & Embodiment
In Anlehnung an António Damasio spielt der Körper eine zentrale Rolle. Der Körper meldet über „Somatische Marker“ (Bauchgefühl, Enge in der Brust) viel schneller als unsere Kognition, ob eine Situation zuträglich ist oder nicht. Ob wir etwas fühlen wollen oder nicht.
- In der Sitzung wird der Körper als Kompass genutzt: „Wenn Sie an die Lösung denken, wo spüren Sie das im Körper? Wie verändert sich Ihre Atmung? Wie bewegen Sie sich im Raum?“
- Ziel ist die Synchronisation von Kognition und Intuition (Körperwissen).
3. Spezifische Interventions-Architektur
Die hypno-systemische Arbeit, folgt einer spezifischen Choreografie, die sich von klassischer Gesprächstherapie deutlich unterscheidet:
- Auftragsklärung (Zwickmühlen-Arbeit): Oft kommen Klienten mit „Zwickmühlen-Aufträgen“ (z.B. „Waschen Sie mich, aber machen Sie mich nicht nass“). Der Therapeut macht diese Ambivalenz transparent und würdigt sie als Kooperation verschiedener innerer Werte.
- Musterunterbrechung (Pattern Interrupt): Sobald der Klient in die Problem-Trance gleitet (Körperhaltung sackt zusammen, Stimme wird monoton oder weinerlich), interveniert der Therapeut.
- Angewandte Technik: Wechsel der Position im Raum, Wechsel der Tonalität, humorvolle Überzeichnung oder direkte Ansprache des körperlichen Zustands („Ich sehe, Sie gehen gerade in eine schwere Haltung, ist das hilfreich für unser Ziel?“).
- Lösungs-Fokussierung durch „Als-Ob“-Rahmen: Man nutzt Zeitprogression (Pseudo-Orientierung in der Zeit). Ähnlich der „Wunderfrage“, entwickelt von Steve de Shazer (und Insoo Kim Berg), ist eine Kerntechnik der lösungsfokussierten Kurzzeittherapie.
- „Stellen Sie sich vor, wir haben das Jahr 2030 und das Problem ist gelöst. Blicken Sie zurück: Was war der entscheidende erste kleine Schritt?“
- Dies aktiviert neuronale Netzwerke der Lösung, bevor diese real eingetreten ist (Priming). Der Klient lernt eine Zukunft zu entwickeln. Entscheidend ist die selbst imaginierte Zukunft – neuronale Erlebnisnetzwerke werden aktiviert.
- Seitenhaltigkeit (Allparteilichkeit): Ein Therapeut ergreift nie Partei für eine Seite der Ambivalenz (z.B. nur für den Änderungswunsch), sondern würdigt auch den Bewahrer-Teil (das Symptom). Das senkt den Widerstand der Klientin, des Klienten massiv, da sich alle inneren Anteile „gehört“ fühlen.
4. Abgrenzung und Mehrwert
Warum ist dieser Ansatz in der therapeutischen Praxis so attraktiv?
| Merkmal | Klassische Hypnose | Systemische Therapie | Hypno-Systemik |
| Fokus | Suggestion, Trance-Induktion (oft formal) | Interaktion, Sprachspiele, Familienstellen | Nutzung natürlicher Alltagstrancen & innerer Systeme |
| Rolle des Therapeuten | Experte führt den Klient | Neugieriger Fragesteller | „Hebamme“ für Ressourcen, Prozess-Experte |
| Symptom | Fokus auf Störung, die behoben wird | Teil der Kommunikation | Kompetente (aber leidvolle) Lösungsversuche |
Zusammenfassung für die Praxis
Der hypno-systemische Ansatz geht davon aus, dass das Problem „dissoziiertes Wissen“ ist. Der Klient weiß die Lösung eigentlich (auf unbewusster/körperlicher Ebene), hat aber kognitiv keinen Zugriff darauf. Therapeutische Aufgabe ist es, durch günstige Kontextgestaltung (Beziehung, Raum, Fragen) die Selbstorganisation (Autopoiese) des Klienten so anzuregen, dass das System wieder „fließt“.
Es ist eine sehr würdevolle therapeutische Methode, da Hilfesuchende niemals als defizitär betrachtet werden, sondern als Träger aller notwendigen Kompetenzen. Nur der Zugang ist vorübergehend verloren gegangen.
Christiane verlässt die Praxis.
Deutlich erleichtert geht sie nach Hause.
Sie schaut den entgegenkommenden Passanten ins Gesicht.
Sie strahlt.
Das Strahlen wird gespiegelt.
Ihr Mantra „Ich muss mich nur zusammenreißen.“ ist wie weggeflogen.
Sie ist dankbar für alles (Sicherheits-Chefin) was sich in ihr zeigt und regt.
Christiane weiß, der Weg ist noch lang, aber der innere Kampf ist vorbei.
Energie durchströmmt sie.